Sonntag, 25. Juni 2017
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Einschulungsbericht mit meiner Blinden-Führhündin „Simai“


In der Zeit vom 14. März bis 6. April 2008 fand die Einschulung mit meiner zweiten Blinden-Führhündin Simai statt. Simai ist eine schwarze Kurzhaar-Labradorhündin. Der Name ist afrikanisch und heißt auf deutsch „Die Große“. Daran hat sie sich allerdings nicht gehalten; denn sie ist eher eine zierliche Hündin. Simais eingetragener Name ist „Indra von der Sonnenhöhe“. Sie ist am 28.06.2005 geboren.
 
Am 14. März fuhr ich mit der Bahn nach Neuburg Donau. Darüber gibt es nichts Nennenswertes zu schreiben. Als ich dort ankam, stand Claudia Köhlein (das ist die Ausbilderin von Simai) direkt an der Zugtür, aus der ich aussteigen musste. Sie hatte Simai dabei, die mich ebenfalls freudig begrüßte. Wir fuhren ins Hotel, wo ich die nächsten 7 Tage meinen Aufenthalt hatte. Das Zimmer war zweckmäßig für die Zeit der Einschulung. Das Personal war recht hilfsbereit und sehr freundlich. Nachdem mir das Zimmer gezeigt worden war, unternahmen wir einen ausgedehnten Spaziergang. Claudia hat mir dann sämtliche Wettervarianten versprochen, die dann auch eingetroffen sind.
 
Hier nun die Beschreibung der Ausbildung:
 
 
Teil 1a von 5
Teil eins der Einschulung
 
Am 1. Tag begannen wir mit einfachen Übungen. Wir liefen an einer Straße entlang und übten uns in der Auffindung von Bordsteinkanten. Auf der Strecke gab es auch Engstellen und Hindernisse zu bewältigen. Obwohl das wir anfangs ordentlich geeiert sind, hat das gut geklappt.

An den anderen Tagen haben wir die Schwierigkeitsgrade stets leicht gesteigert. Die Einschulungstage haben wir in drei Abschnitte aufgeteilt: Vormittags von 9:30 Uhr bis 12:00 Uhr mit einem kurzen Spaziergang und anschließender Schulung. Nachmittags von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr, ebenfalls mit einem kurzen Spaziergang und wiederum Einschulung. Am Abend gab es dann noch einen größeren Spaziergang.
 
Es war eine sehr interessante, lehrreiche und doch auch aufgelockerte Woche. Wir hatten - trotz allen Ernstes - großen Spaß dabei. Ich muss sagen, dass ich trotz Erfahrung mit Arco, meinem ersten Blinden-Führhund, noch sehr viel gelernt habe. Die Umstellung auf italienische Hörzeichen hat mir keine Schwierigkeit bereitet.
 
Am 22. März hat Claudia mich dann mit Simai mit dem Auto in meinen Heimatort gefahren. Als wir ankamen, gab es eine ganz tolle Begrüßung mit Elke. Wir haben noch einen kleinen Spaziergang gemacht. Um Simai nicht zu verwirren, hat Claudia sich von uns vor der Haustür verabschiedet und ist dann wieder in Richtung Neuburg gefahren, wo sie abends gegen 20:00 Uhr eingetroffen ist.
 
Teil 1b von 5
Teil 2 der Einschulung
 
Am 28. März kam Claudia dann zur Fortführung der Einschulung mit Simai zu mir nach Hause.
 
Damit Claudia einen Überblick über mein Umfeld gewinnen konnte, gingen wir den für mich wichtigsten Weg ab. Dabei konnte sie sich schon überlegen, worauf es für Simais Führarbeit ankommt und welche Punkte zur Bewältigung der Wege am günstigsten sind. Simai haben wir bei meiner Freundin Elke und den beiden „alten“ Hunden Arco und Frieda gelassen. Im Anschluss daran sind wir mit Simai an der Leine den ersten Teil der drei Wege gelaufen. Es war der Weg von der Wohnung zum Arbeitsplatz und zurück.
 
Am Samstag und Sonntag haben wir dann die beiden anderen Wege dazu genommen. Wir haben den Tag in zwei Abschnitte aufgeteilt: Von 9:30 Uhr – 12:00 Uhr und von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr. Am Sonntag haben wir den 2. Teil mit einem ausgedehnten Spaziergang in die Weinberge abgeschlossen.
 
Es ist, wie kann es anders sein, sehr gut gelaufen. An den 4 freien Tagen habe ich dann das bisher Gelernte mit Simai geübt. Das hat auch gut geklappt.
 
Teil 1c von 5
Teil drei der Einschulung
 
Am 4. April kam Claudia erneut zu mir nach Hause. Sie traf gegen Mittag bei mir ein. In diesem Teil vermied Claudia es, zu uns in die Wohnung zu kommen, um die Abnabelung von sich und Simai zu fördern. So traf ich mich mit ihr vor der Haustür. Wir sprachen über die Probleme, die ich noch mit der Arbeit mit Simai hatte. Da wäre nichts gewesen, wenn nicht ein Teil meines Arbeitsweges für einige Wochen gesperrt worden wäre. So musste ich den Anfang des Weges neu einüben. Das haben wir schnell in den Griff bekommen.
   

 

 

Danach haben wir die Innenstadt meines Wohnortes „unsicher“ gemacht. Ich bin mit dem Langstock durch die Stadt gelaufen und Claudia mit Simai an der Leine hat mich verfolgt. Den vierten Teil haben wir auch in 2 Abschnitte aufgeteilt. Morgens 2 ½ Stunden und nachmittags 2 Stunden.
 
Wir gingen über den Wochenmarkt und in einige Kaufhäuser meiner Wahl. Anschließend haben wir Stück für Stück trainiert. Die Einheiten liefen ebenfalls problemlos. Claudia bemerkte, dass ich mit Simai schon wesentlich besser klar käme als noch vor einer Woche. Zur Auflockerung gab es stets nach einer Trainingseinheit einen kleinen Spaziergang.
 
Am letzten Tag der Einschulung haben wir noch Unterordnung geübt und haben diesen Tag mit einem Spaziergang von der Innenstadt zu meiner Wohnung abgeschlossen.
 
Es gab eine herzliche Verabschiedung vor der Haustür und somit war die Einschulung gegen 14:30 Uhr beendet.
 
In ca. 6 – 8 Wochen werde ich dann die Gespannprüfung absolvieren.

Teil 2 von 5
Alleine unterwegs
 
Vom 7. April an waren wir dann auf uns selbst angewiesen. Wir hatten das scheußlichste Wetter, das man sich vorstellen kann. Der Sturm, der Hagel und der Lärm der Autos haben uns völlig irritiert. An eine klare Orientierung war nicht zu denken. So rief ich Elke an, die uns erst einmal auf die richtige Spur setzen sollte. Danach ging es besser. An den Folgetagen konzentrierte ich mich viel besser auf den Weg zur Arbeit.

Die Querung der ersten großen Straße war nicht perfekt, aber machbar und steigerungsfähig. Simai hat einfach noch Probleme, wenn hinter ihr ein Hund läuft. Da muss sie sich einfach umgucken. Den Rest der für uns wichtigen Wege bewältigen wir einwandfrei. Wir werden – wenn auch langsam - ein gutes Team. Schlimm ist, dass einige Mitbürger meinen, dass sie uns helfen müssen, und zwar um jeden Preis, egal, ob wir das mögen oder nicht. Das hat sich aber mittlerweile eingespielt.
 
Teil 3 von 5
Übung für die Gespannprüfung
 
Am 7. Juni kam Claudia noch einmal zu uns, um den Ablauf der Gespannprüfung mit uns durchzugehen. Was soll ich dazu sagen? Große Katastrophe! Wir haben uns benommen, als hätten wir noch nie etwas von der Arbeit mit Blinden-Führhund bzw. Einschulung gehört. Simai hatte gar keine Lust, zur Arbeit zu laufen und auch keine Lust zur Post. Erst als wir dann in der Fußgängerzone waren, hat sie mich durch die Stadt und über den Wochenmarkt geführt. Die Übung „Abgrundverweigerung" ging dann prima. Der Weg zurück ging ebenfalls perfekt - leider nur 15 Minuten. Nach einer Pause haben wir dann noch Unterordnung geübt. Perfekt!
 
Teil 4 von 5 
Gespannprüfung
 
Am 3. Juli 2008 fand die Gespannprüfung mit Simai durch Herrn Fritsche statt. Herr Fritsche traf um 9:45 in Bensheim ein. Wir verließen den Bensheimer Bahnhof und begaben uns in die Innenstadt. Da durchquerten wir den Wochenmarkt. Ich ließ mir von Simai den Teeladen anzeigen. Da ist es sehr eng drin. Ich sagte, dass wir Gespannprüfung haben und verließ das Geschäft. Danach habe ich zwar kurz den Faden verloren, denn ich war äußerst nervös. Ab dann hat allerdings alles gut bis sehr gut geklappt.

Wir hatten das volle Programm: Abgrundverweigerung, Ampel anzeigen, Bordsteinkanten, große Menschenansammlung, Sitzgelegenheit anzeigen, Treppen und Zebrastreifen auffinden. Nachdem wir dann noch Unterordnung gezeigt hatten, war die Gespannprüfung nach 1 ½ Std. vorbei und bestanden.
 
Teil 5 von 5
Fazit:
 
Die Einschulung war rundum positiv, ernsthaft und aufgelockert. Wenn es Sternchen zu vergeben gäbe, dann würde ich 5 von 5 Sternchen vergeben. Ich habe nur Positives und Konstruktives erlebt und empfehle die Blinden-Führhundschulen Kooperation Claudia Detzer / Claudia Köhlein wärmstens weiter.

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© Copyright by Christine Grünebaum

 

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