Montag, 11. Dezember 2017
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Studie: Tiere im Strafvollzug

Osnabrücker Kriminologe Prof. Schwind legt Studie vor
 
 
Nicht nur bei den Amokläufen von Emsdetten, Erfurt und Winnenden fällt die geringe Mitleidsfähigkeit (Empathie) der Rechtsbrecher auf.

"Geringe Empathie ist insbesondere für Intensivtäter generell typisch. Es ist ihnen gleichgültig, ob das Opfer leidet", so der Kriminologe Prof. Dr. Hans-Dieter Schwind von der Universität Osnabrück.

In seiner jetzt vorgelegten Studie "Tiere im Strafvollzug" ist der Strafvollzugsexperte der Frage nachgegangen, ob Empathie innerhalb der Gefängnismauern durch eine tiergestützte Pädagogik aufgebaut werden kann.

In diesem Rahmen kümmern sich junge Inhaftierte um Tiere wie Hunde und Katzen, die ihnen allmählich ans Herz wachsen und dadurch positive Gefühle auslösen können. In der Jugendstrafanstalt Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern leben auf einem 10.000 Quadratmeter großen Areal zum Beispiel Ponys, Schafe und Ziegen.

"Ziele dieses therapeutischen Programms sind insbesondere der Aufbau von Verantwortungsbewusstsein, die Stärkung von emotionalen Bindungen und die Förderung von Rücksichtsnahme beziehungsweise Abbau von Agressionen", so der Kriminologe des Fachbereichs Rechtswissenschaften der Universität Osnabrück.

Auch helfe die Therapie bei der Strukturierung des Alltags sowie bei gruppendynamischen Prozessen und einer sinnvollen Freizeitgestaltung.
In Niedersachsen arbeiten mit der tiergestützten Therapie zum Beispiel die Jugendvollzugsanstalten Vechta und die Abteilung Groß-Hesepe der Justizvollzugsanstalt in Lingen, wie Prof. Schwind bei seiner Umfrage ermittelte, die vom Niedersächsischen Justizministerium unterstützt wurde.

In Vechta leben in einem Gehege von 6000 Quadratmetern Enten und Hühner. In Groß-Hesepe werden 70 zugeflogene Wildenten ebenso betreut wie Kaninchen und Katzen.

Während in Deutschland die tiergestützte Therapie mit dem Ziel der Wiedereingliederung von Straffälligen in die Gesellschaft bislang eher selten vorkommt, ist sie in den USA weit verbreitet.

Im Hochsicherheitsgefängnis Greg Harbour (Washington), bietet die Haftanstalt den weiblichen Gefangenen die Möglichkeit, Hunde, die aus Tierheimen kommen, unter Anleitung zu Blindenhunden auszubilden. In Neustrelitz gibt es zwischenzeitlich ein ähnliches Projekt.

"Dass Tiere wertvolle therapeutische Begleiter sind, kennen wir aus Krankenhäusern, Schulen und Altersheimen. Tiere sollten im Strafvollzug eine wesentlich größere Beachtung finden", fordert Schwind, der sich im Weissen Ring mit der Prävention von Straftaten beschäftigt.

Prof. Schwind war von 1978 bis 1982 Landesjustizminister in Hannover, 1984 bis 1989 Präsident der Deutschen Kriminologischen Gesellschaft und 1987 bis 1990 Vorsitzender der (Anti-)Gewaltkommission der Bundesregierung.

Seit 1996 ist er Präsident des Stiftungsrates der Deutschen Stiftung für Verbrechensverhütung und Straffälligenhilfe (DVS) und seit 2002 Vorstandsmitglied des Weissen Ringes.
 
Quelle:
http://www.vet-magazin.com/wissenschaft/meldungen/Mensch-Tier/Studie-Tiere-Strafvollzug.html

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