Montag, 11. Dezember 2017
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Wurmkuren sind keine Kuren

Tierärzte empfehlen, Haustiere in regelmäßigen Abständen, bis zu viermal im Jahr, zu "entwurmen". Der Begriff "ent-wurmen" bedeutet, vorhandene Würmer zu ent-fernen. Dies macht aber nur Sinn, wenn vorher auch tatsächlich Würmer festgestellt worden sind. Wo keine Würmer sind, können auch keine entfernt werden. Wenig sinnvoll ist es daher logischerweise, einem Tier, das wurmfrei ist, ein Wurmmittel zu verabreichen.

Wurmmittel enthalten Gifte, die die inneren Organe wie Nieren und Leber belasten. Es handelt sich dabei um Medikamente, die Nebenwirkungen haben können: Vermehrter Speichelfluss, Hecheln, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Koordinationsstörungen und  Lethargie gehören zu den bekanntesten Nebenwirkungen.



Der Begriff Wurmkur ist demnach irreführend; mit der Wohltat einer Kur hat er nichts gemeinsam. Hinzu kommt, dass Wurmmittel - entgegen der landläufigen Meinung - keinen Schutz vor einer erneuten Infektion mit Würmern bieten. Ein Tier, das tatsächlich Würmer hat, kann nämlich heute entwurmt worden sein, und nimmt schon morgen erneut Wurmeier auf.

In einer Studie aus dem Jahr 2005 (Sager H, Moret CS, Grimm F, Deplazes P, Doherr MG, Gottstein B.) mit über 500 Hunden wurde festgestellt, dass Tierbesitzer und Tierärzte nicht von einer dauerhaften Wurmfreiheit  ausgehen können, auch wenn ihr Tier viermal im Jahr "entwurmt" wird. Hierauf verweisen die Veterinärmediziner der Universitäten Bern und Zürich im Fachjournal "Parasitology Research".

Wurmmittel haben also keine vorbeugende Wirkung wie beispielsweise Impfungen, die viele Jahre vor bestimmten Infektionen schützen, oder Mittel gegen Zecken und Flöhe, die einen mehrwöchigen Schutz bieten.



Nicht jedes Wurmmittel wirkt im übrigen gegen jede Wurmart, und Würmer sind nicht die einzigen "Untermieter", die dem Tier das Leben schwer machen oder die zu Durchfall und Gewichtsverlust, zu Mangelerscheinungen und zur Anämie führen können.

Hinzu kommt noch,  dass mit jeder "Entwurmung" die Darmflora geschädigt wird. Und eine weitere Gefahr: Je häufiger Antiparasitika angewandt werden, umso wahrscheinlicher ist es auch, dass die  jeweiligen Parasiten resistent gegen die eingesetzten Wurmmittel werden.

Wurmmittel bergen aber auch noch ganz andere Gefahren. Eine ganze Reihe von Wirkstoffen in den Antiparasitika sind für Hunde mit einer MDR1-Belastung** (s.u.) äußerst gefährlich, für bestimmte Hunderassen können sie sogar tödlich sein. Dazu gehören z. B. alle Mittel, die den Wirkstoff Ivermectin enthalten.



Darmparasiten - egal welcher Art - können also, wenn sie überhand nehmen, eine große Belastung für das Tier darstellen und müssen bekämpft werden, obwohl gesunde Tiere mit einer geringen Anzahl von Würmern durchaus fertig werden können.

Freigängerkatzen, die gelegentlich Vögel und Mäuse vertilgen, stecken sich sehr häufig mit Bandwürmern an; Hunde können sich leicht über den Kontakt mit anderen infizierten Hunden anstecken. Sie können aber auch parasitenfrei sein, und daher ist die Kotuntersuchung hier eine ganz wichtige Diagnose-Methode, um das Tier nicht unnötig mit Giften zu belasten.

Ob Hund oder Katze Würmer oder andere Erreger haben und dagegen behandelt werden sollten, lässt sich - ohne Belastung für das Tier - ganz einfach durch eine Kotprobe feststellen. Dazu sollte an drei aufeinander folgenden Tagen Kot gesammelt und zum Tierarzt gebracht und von diesem zur Untersuchung in eins der bekannten veterinärmedizinischen Labore gesandt werden.



Zwar haben auch Tierarztpraxen häufig das Instrumentarium, um Kotproben auf Würmer und einige andere Parasiten zu untersuchen, aber nicht auf alle Erreger. Wenn also der Verdacht über Würmer hinaus geht, gehört die Kotprobe in ein Labor geschickt, das über die entsprechenden Geräte und Mittel verfügt.

Wer selbst über eine Basisausrüstung (Mikroskop, Objektträger, Teströhrchen, etc.) verfügt, kann die einfachsten Wurmuntersuchungen auch selbst machen. Dazu hier eine Anleitung:

http://www.working-goats.de/index.php?option=com_content&task=view&id=67&Itemid=63
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**  In diesem Fall fehlt ein funktionsfähiges MDR1-Transportsystem in allen Geweben, und die Behandlung mit bestimmten Medikamenten kann erhebliche Probleme bereiten.

Quellen::

J. Geyer et al. : Multiple Medikamentenüberempfindlichkeit bei Britischen Hütehunden
kleintier konkret 2006; 3: 16 - 20

http://www.vet-impulse.com/fileadmin/user_upload/Giessen_-_Arzneistoffe_MDR1.pdf

Informationen zu den verschiedenen gebräuchlichen Mitteln finden sich hier:
www.kretakatzen.de/Texte/Mittel_gegen_Parasiten.doc

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