Montag, 26. Juni 2017
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Hundeimpfungen

Die Tollwutimpfung 
 
Die Tollwutimpfung ist die einzige innerhalb der EU vorgeschriebene Haustierimpfung, ohne deren Nachweis kein Grenzübertritt stattfinden kann. Sie ist daher für viele TierhalterInnen eine Notwendigkeit. Bis 2005 mussten Haustiere, die mit auf die Reise genommen werden sollten, jährlich gegen die Tollwut geimpft werden. Mit der Änderung der deutschen Tollwutverordnung (2005) sind die Impfintervalle zum Glück deutlich länger geworden.
 
In der Neufassung der Verordnung heißt es in  §1:

"Im Sinne dieser Verordnung liegen vor:
(…)
wirksamer Impfschutz bei Hunden und Katzen, wenn eine Impfung gegen Tollwut…

… im Falle von Wiederholungsimpfungen
 
… die Impfungen jeweils innerhalb des Zeitraumes durchgeführt worden sind, den der Impfstoffhersteller für die jeweilige Wiederholungsimpfung angibt."
 
Quelle:  http://bundesrecht.juris.de/tollwv_1991/BJNR011680991.html

Infolge dieser Anpassung der deutschen Tollwutverordnung an die EU-Gesetzgebung müssen demnach Hunde und Katzen nicht mehr - wie früher - jedes Jahr gegen Tollwut geimpft werden. Maßgebend bei der Einreise in ein EU-Land mit einem Haustier ist folglich der tierärztliche Eintrag in den EU-Impfpass, der den Vermerk für die nächste fällige Impfung des Impfstoff-Herstellers enthalten muss.
 
 
Der Tollwut-Erreger heißt Rhabdovirus und wird durch Bisse übertragen. Der Verlauf der Erkrankung ist immer tödlich. Die Symptome der Tollwutinfektion sind Verhaltens- und Schluckstörungen, Speicheln, Krämpfe, Aggressivität, Lähmungen.
 
Die Tollwut ist aufgrund der Gefährdung für den Menschen eine anzeigepflichtige Tierseuche, die bereits bei Verdacht der zuständigen Veterinärbehörde gemeldet werden muss. Allerdings sind sowohl Deutschland als auch die meisten westlichen EU-Länder mittlerweile tollwutfrei, auch wenn hin und wieder alte Hinweisschilder anzutreffen sind. Ebenfalls sind vereinzelt Fälle von Fledermaustollwut in Deutschland registriert worden, die zwar ein Risiko für Katzen, aber nicht für Hunde darstellt.

Dennoch muss nach wie vor bei Reisen in ein EU-Land und bei bestimmten Einsätzen des Haustiers eine Tollwutimpfung nachgewiesen werden. Eine Reihe von Impfstoffherstellern hat sich mittlerweile an die veränderte Gesetzeslage angepasst und bieten den mehrjährigen Impfstoff für Hunde (3 Jahre) und Katzen (4 Jahre) an, der auch allen veterinärmedizinischen Praxen zugänglich ist. Hier findet man einige der Herstellerfirmen aufgelistet:

http://www.dogs-magazin.de/pdf/Impfschutz.pdf 
 
Leider machen Tierärzte in den seltensten Fällen ihre "KundInnen" auf die veränderte Lage aufmerksam, die ja für das Tier auf jeden Fall schonender ist, und verabreichen nach wie vor den einjährigen Tollwutimpfstoff. Eine nicht ganz nachvollziehbare Praxis, da an erster Stelle doch immer das Wohl des Tieres stehen sollte. 
 
Im übrigen ist auch die dreijährliche Tollwutimpfung aus Sicht vieler ExpertInnen obsolet. An der University of Wisconsin School of Veterinary Medicine haben gerade Studien begonnen, die eine mindestens fünf-, wenn nicht sogar siebenjährige Impfschutzdauer für Tollwut nachweisen wollen:

http://www.RabiesChallengeFund.org
http://www.vetmed.wisc.edu/oncall/story.php?id=376

Die Staupe-Impfung
 
Bei der Staupe handelt es sich um eine gefährliche Erkrankung (ähnlich den Masern in der Humanmedizin), die durch Tröpfcheninfektion von Tier zu Tier weitergegeben wird. Der Erreger ist ein Virus namens Morbillivirus. Die Symptome der Staupe sind Fieber, Augen- u. Nasenausfluss, feuchter Husten, Erbrechen, Durchfall, Lähmungen, Krämpfe und Zittern.
 
 
 
In den "Impfempfehlungen" des Bundesverbandes der praktizierenden Tierärzte (BPT) wird eine zwei- bis dreimalige Grundimmunisierung im Abstand von vier Wochen mit jährlicher Nachimpfung empfohlen. Laut wissenschaftlichen Studien reicht jedoch nach der Grundimmunisierung eine einmalige Nachimpfung, da der Impfschutz bis zu 15 Jahren vorhält.
 
Professor Horzinek schrieb bereits 1999:

"Immunität gegen Masern hält lebenslang, und ich  weiß von keinem Veterinär, der von seinem Hausarzt eine jährliche Masernimpfung  verlangt. Aber die meisten Kleintierärzte in Europa revakzinieren Hunde jährlich  gegen Staupe, und Staupe ist nichts anderes als Hundemasern." (Marian Horzinek: Veterinary  Vaccines and Diagnostics, 1999).

Dennoch gehört die Staupe-Impfung von Welpen zu den unverzichtbaren Impfungen.
 
Die Parvovirose-Impfung
 
Der Erreger ist das Canine Parvovirus, ein sehr widerstandsfähiges Virus, das über Speichel und Kot übertragen wird. Die Symptome der Parvovirose sind Erbrechen, blutiger Durchfall, Fieber, Apathie, Anorexie. Die Krankheit führt häufig zum Tod, aber bei frühzeitiger Behandlung stehen die Überlebenschancen für erwachsene Hunde gut, während Welpen in der Regel sehr rasch an Herzmuskelentzündung sterben.  

Auch hier wird eine zwei- bis dreimalige Grundimmunisierung im Abstand von 4 Wochen mit jährlicher Nachimpfung empfohlen. Laut wissenschaftlichen Studien reicht jedoch eine einmalige Nachimpfung, da der Impfschutz bis zu 15 Jahren oder länger vorhält. Auch diese Impfung ist unverzichtbar.

Die Hepatitis Contagiosa Canis (HCC)-Impfung
 

Bei der Hepatitis CC handelt es sich um eine ansteckende Leberentzündung. Der Erreger ist das Canine  Adenovirus 1 (CAV-1). Dieses Virus wird ebenfalls

 

 

 

über Speichel und Kot übertragen und schädigt Leber, Nieren und Gefäße. Symptome sind Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber, Appetitlosigkeit, Mandel-, Rachen- und Bindehautentzündungen.
Hier wird ebenfalls eine zweimalige Grundimmunisierung im Abstand von 4 Wochen mit jährlicher Nachimpfung empfohlen. Da auch hier die Schutzdauer bis zu 15 Jahren, wahrscheinlich lebenslang währt, reicht eine einzige Nachimpfung nach der Grundimmunisierung.

Ob allerdings diese Impfung Sinn macht, wird angezweifelt, da das Virus seit vielen Jahren in Deutschland nicht mehr isoliert wurde. So verzichtet auch der Bundesverband der praktizierenden Tierärzte (BPT) in seinen Impfempfehlungen auf die jährlichen Wiederholungsimpfungen (vgl. Deutsche Impfempfehlungen für die Kleintierpraxis 2006).

Die Leptospirose-Impfung

Beim Leptospirose- Erreger handelt es sich um ein Bakterium. Die Ansteckung erfolgt entweder durch Kontakt mit infektiösem Urin, durch Bisse oder Hautläsionen. In stehenden Gewässern können Leptospiren wochenlang auch außerhalb eines Wirtsorganismus überleben. Die Symptome sind Fieber, Erbrechen, Appetitmangel, Magen-, Darm- und Nierenerkrankungen, Schwäche in den Hinterläufen, in schweren Fällen Gelbsucht und Bewegungsstörungen. Vom BPT (Bundesverband praktizierender Tierärzte) wird die zweimalige Grundimmunisierung im Abstand von 4 Wochen mit jährlicher bzw. halbjährlicher Nachimpfung empfohlen, und das, obgleich der Verband in seinen Empfehlungen wörtlich feststellt, dass die Ansteckung

"vor allem durch die Serovare L. grippotyphosa, bratislava, pomona, saxkoebing, sejroe und seltener L. australis ausgelöst" wird, "gegen die der Impfstoff in der Regel nicht schützt, da diese Serovare nicht Bestandteile der in Deutschland zugelassenen Vakzinen sind" (vgl. ebenda).


 
Die in Deutschland verwendete Impfung schützt hingegen nur gegen 2 (Leptospira icterohaemorrhagiae und L. canicola) der insgesamt über 200 krankheitsauslösenden Leptospirenarten und hier auch nur etwa 6 Monate lang. Diese Impfung bietet also keinen wirklichen Schutz gegen die Leptospirose und verwendet noch dazu einen bakteriellen Vollkeim-Impfstoff, der erhebliche Nebenwirkungen auslösen kann: Die promovierte Tierärztin Wendy C. Brooks, pädagogische Leiterin von Veterinary Partner (amerikanisches Informationsportal für Tierärzte) schreibt hierzu (2007):

"Von allen Impfstoffen scheint der Leptospirose-Impfstoff derjenige zu sein, der mit Nesselsucht, Gesichtsschwellungen und sogar mit lebensbedrohlichen Reaktionen in Zusammenhang gebracht wird. (...) Die Impfung kann vielleicht den Schweregrad der Erkrankung mindern; aber sie kann nicht verhindern, dass infizierte Hunde Träger des Erregers sind." (Quelle: http://www.veterinarypartner.com/Content.plx?P=A&A=573)

Die Impfung gegen Leptospirose ist daher umstritten.

Drei Gründe würden trotzdem für eine Impfung sprechen:

1. Der Hund ist ansonsten gesund
2. Der Hund verträgt die Impfung gut (weiß man meistens, weil sie in der Regel bei der Grundimmunisierung mit 8, 12 und 16 Wochen und dann nochmal ab 15 Monaten) durchgeführt worden ist.
3. Der Hund lebt in einem gefährdeten Gebiet: Überträger sind vor allem Nager, Rinder, Schweine und Pferde.

Wenn der Hund geimpft ist, darf man sich nicht auf die Impfung verlassen aus den o.g. Gründen.


 
Die Impfung gegen Zwingerhusten
 
 Der sogenannte Zwingerhusten kann natürlich auch Tiere befallen, die nicht in Zwingern leben, und betrifft Luftröhre und Bronchien.
 
Bei den Erregern des Zwingerhustens (infektiöse Tracheabronchitits) handelt es sich überwiegend um Viren, zu denen sich später auch Bakterien gesellen können. Haupterreger ist das Canine Parainfluenza-Virus, das Canine Adenovius und das Bakterium Bordetella Bronchiseptica. Infizierte Tiere zeigen Abgeschlagenheit, Fieber und trockenen Husten.
 
Die Wirkung von vorbeugenden Impfungen gegen Zwingerhusten ist fraglich und wird auch von der Deutschen Impfkommission nicht als unverzichtbar angesehen. Im Falle von erhöhter Ansteckungsgefahr, z. B. in Tierheimen und -pensionen, Hundeschulen, etc. machen Impfungen Sinn, können allerdings nur einen Schutz gegen das Parainfluenza- Virus gewährleisten. Ein nasaler Impfstoff gegen Bordetella bronchiseptica kann ebenfalls in solchen Fällen sinnvoll sein.
 
Die Borreliose-Impfung

Die Borreliose-Impfung ist umstritten. Erkrankungen durch Borrelien treten beim Hund in Deutschland (anders als z.B. in den USA) eher selten auf. Die beiden in Deutschland am häufigsten vorkommenden Erreger (Borrelia afzelii und Borrelia garinii) scheinen die Erkrankung erst gar  nicht auszulösen. Nur der dritte, in Deutschland eher seltene Erreger (Borrelia burgdorferi sensu stricto) kann die Borreliose- Erkrankung hervorrufen.

2007 wurde von einem Forscherteam außerdem nachgewiesen, dass durch eine Impfung keine Immunität gegen die bei uns dominierenden Borrelien-Arten erreicht werden kann.Wenn der Hund dennoch geimpft wird, nachdem er - eventuell unbemerkt - Kontakt mit Borrelien hatte, kann hierdurch  eine lebensbedrohliche Nierenentzündung ausgelöst werden.

Da außerdem die Erreger erst mehrere Stunden nach dem Biss der Zecke übertragen werden, lässt sich eine Infektion am besten durch eine geeignete Zeckenprophylaxe vermeiden. Im Fall, dass doch in seltenen Fällen eine Infektion stattgefunden hat, lässt sich diese mit einem geeigneten Antibiotikum in der Regel erfolgreich behandeln.

Die meisten serologischen Tests auf Borreliose (Tests auf Antikörper im Blut) können falsch positive wie falsch negative Ergebnisse hervorbringen. Viele Fachleute raten daher von dieser Impfung ab.
 
Mehr dazu hier:
http://www.r-m-l.de/faq/borrel.html
http://www.hundezeitung.de/medizin/borrelioselabor.html
http://www.dr-frangipani.de/impfungen/borrliose-impfung
 
Die Babesiose-Impfung
 
Ähnlich verhält es sich mit der Babesiose-Impfung. Auch die Erreger der Babesiose werden durch Zecken übertragen und sind sehr verschiedenartig. Die Schutzwirkung der bisher vorhandenen Impfstoffe ist nicht zuverlässig.
 

Weiterführende Literatur:

*Ziegler, J. (2011): Hunde würden länger leben, wenn.....
*Peichl, M. (2009): Haustiere impfen mit Verstand
*O´Driscoll, C. (2005): Shock to the system

Allgemeines zu Haustier-Impfungen findet sich hier>>
Alles zu Katzenimpfungen findet sich hier>>

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Anmerkung: Dieser Beitrag - sowie auch andere in diesem Portal - ersetzt keinesfalls den Besuch beim Tierarzt!

 

 

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