Donnerstag, 29. Juni 2017
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Katzenimfpungen

Impfempfehlungen für Katzen hängen von verschiedenen Faktoren ab, z. B.  davon, ob eine Katze in der Wohnung lebt oder Freigängerin ist, wie alt sie ist und ob sie bestimmte Infektionen schon durchlaufen hat.



Wie bereits im allgemeinen Teil zum Thema Impfen ausgeführt, ist die Schutzdauer der meisten Impfstoffe wesentlich länger als ein Jahr, so dass die Praxis des jährlichen Nachimpfens in Frage zu stellen ist. In den Vereinigten Staaten sind seit längerem Forschungen im Gange, um die Schutzdauer des Tollwut-Impfstoffes zu evaluieren, damit neue Empfehlungen ausgesprochen werden können. Das hat dazu geführt, dass sich auch in Deutschland die Impfintervalle für Tollwut verlängert haben. Aber auch viele andere Impfstoffe bieten einen längeren Schutz als ein Jahr, manche sogar lebenslang.

Kranke Tiere sollten gar nicht geimpft werden. Beachtet werden sollte außerdem die Impfstelle. Eine Impfung zwischen den Schulterblättern ist gut zu überlegen, da beim Auftreten eines Impfsarkoms gerade diese Stelle operativ schwer zu behandeln ist (vgl. hier ).

In der Folge werden die wichtigsten Impfungen beschrieben. Es gibt Core-Impfungen, also solche, die unbedingt notwendig sind, und Non-Core-Impfungen, die in bestimmten Fällen Sinn machen und in anderen nicht. Dies sollte in allen Fällen mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden.

Hier ist ein Schema der Zeitpunkte und Zeiträume für die Core-Impfungen - angelehnt an die Impfempfehlungen der LMU München.

Die Impfung gegen die Katzenseuche (Panleukopenie)
 
Die als Katzenseuche bekannte Panleukopenie (Feline Parvovirose) gehört zu den absolut notwendigen Impfungen. Sie wird durch eine Infektion mit dem Parvovirus ausgelöst. Der Übertragungsweg läuft über den Kot bzw. über andere Körperausscheidungen wie Speichel oder Urin.

Das heißt, dass entweder der direkte körperliche Kontakt mit anderen infizierten Katzen (Tierheime, Mehrkatzenhaushalte), aber auch infizierter Staub oder  infizierte Gegenstände zu einer Ansteckung führen können. Da das Virus sehr widerstandsfähig gegen Umweltfaktoren ist, kann es bis zu über einem Jahr in der Umgebung überdauern und daher ansteckend bleiben.

Symptome sind Erbrechen, hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Durchfall und Austrocknung. Labordiagnostisch wird ein starker Mangel an weißen Blutkörperchen festgestellt. Ohne Behandlung führt diese Erkrankung innerhalb von wenigen Stunden oder Tagen zum Tod der Katze.

Die Impfung gegen Katzenschnupfen

Der Katzenschnupfen-Komplex wird durch eine Vielzahl verschiedener Erreger (Herpes- und Calici-Viren, verschiedene Bakterien) ausgelöst, und je nach Erreger können die Symptome des Katzenschnupfens Augen- und Bindehautprobleme, Schnupfen, Maulhöhlen- und Lungenentzündungen sein. Obwohl sich vor allem die Calici-Viren ständig verändern können und auch geimpfte Tiere nicht gegen den Katzenschnupfen gefeit sind,macht diese Impfung bei Katzenwelpen Sinn, da spätere Verläufe der Erkrankung dadurch wesentlich milder ausfallen. Die Impfung wird als Core-Impfung angesehen und wird in der Regel mit der Seuchen-Impfung zusammen angeboten.

Die Impfung gegen die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP)

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine ansteckende Bauchfellentzündung, die ebenfalls durch Viren (hier Corona-Viren) ausgelöst wird. FIP befällt überwiegend junge Kätzchen unter einem Jahr. Durchfall und Fieber sind die Symptome. In der Regel hat die Infektion für junge Katzen dann keine weiteren Folgen, kann aber in späteren Jahren infolge von mutierten Viren zu einer ernsten Erkrankung führen, die leider am lebenden Tier kaum diagnostiziert werden kann. Einige der Krankheitssymptome sind Appetitlosigkeit, Abmagerung, Wasserbauch.

 

Da die meisten Katzen bereits als Welpen mit dem Virus in Berührung kommen, machen Impfungen gegen FIP nicht nur keinen Sinn, sondern stehen sogar im Verdacht, die Krankheit erst hervorzurufen bzw. zu beschleunigen.
Weitere Informationen zu FIP finden sich hier>>.

Die Tollwutimpfung

Wie bei Hunden auch ist die Tollwutimpfung für Katzen nur nötig, wenn sie auf Reisen ins europäische Ausland (oder in andere Länder) mitgenommen werden sollen oder wenn sie in nicht tollwutfreien Gebieten frei laufen. Deutschland und viele andere europäische Länder gelten mittlerweile als tollwutfrei, so dass eine Tollwutgefahr evtl. noch in Grenzgebieten zu nicht tollwutfreien Ländern besteht.

Die letzte Neufassung der deutschen Tollwutverordnung (2005) für Katzen legt inzwischen Impfintervalle von 4 Jahren fest (die auch so in den Impfpass eingetragen werden), so dass dem Tierarzt vor der Impfung unbedingt der Wunsch nach dieser Impf"variante" vorgetragen werden sollte, damit er nicht "versehentlich" den Einjahres-Impfstoff einsetzt.

Ein in der Fachwelt diskutiertes Risiko der Tollwutimpfung - besonders für Katzen - ist das sog. Impfsarkom, das aus einer chronischen Entzündung an der Impfstelle entstehen kann (vgl. hier ).

Die Impfung gegen Leukose (FeLV)

Auch das feline Leukämie-Virus ist für Katzenwelpen äußerst gefährlich. Es wird - ähnlich wie auch das Parvovirus - durch Körperausscheidungen (Speichel, Nasensekret, Kot) übertragen. Katzenbabies können sich bereits im Mutterleib über die Muttermilch anstecken und infiziert auf die Welt kommen.

Erkrankungen, die durch das Virus ausgelöst werden, sind vor allem Krebserkrankungen und eine generelle Abwehrschwäche gegenüber Infektionen.

Je älter und widerstandsfähiger eine Katze ist, umso geringer ist die Ansteckungsgefahr, so dass die Risiken einer späten Impfung gegen mögliche Impfschäden abzuwägen sind. Es empfiehlt sich, vorher möglichst einen Test auf FeLV durchzuführen.

Die Impfempfehlungen sind sehr unterschiedlich. Die "Ständige Impfkommission Praktizierender Tierärzte" rät zu zwei Impfungen ab der achten Lebenswoche und zu alljährlichen Wiederholungen. Andere Fachleute empfehlen, nur junge Katzen unter einem Jahr zu impfen und Freigänger ggfs. alle drei Jahre nachimpfen zu lassen; andere sehen das Risiko für ausgewachsene Tiere als nicht als so erheblich an, so dass nach einer Grundimmunisierung auf  Nachimpfungen ganz verzichtet werden könne.

Weitere Impfungen

Impfungen gegen das feline Leukämie-Virus (FeLV), sowie gegen Chlamydien und Bordetella machen nur bei hohem Expositionsrisiko Sinn (Zuchten, Tierheim).

Zusammenfassung

Als Core-Impung muss man die Doppelimpfung gegen Seuche und Katzenschnupfen (Herpes- und Calici-Virus) ansehen. Sie ist Teil der Grundimmunisierung und enthält - laut den aktuellen Impfempfehlungen der Medizinischen Kleintierklinik der LudwigMaximiliansUniversität München - bis zu vier Einzelimpfungen innerhalb eines Jahres.

Allgemeines zu Haustier-Impfungen findet sich hier>>
Alles zu Hundeimpfungen findet sich hier>>

Weiterführende Literatur:

*Ziegler, J. (2011): Hunde würden länger leben, wenn.....
*Peichl, M. (2009): Haustiere impfen mit Verstand
*Dunham, S. et al. (2006): Limited efficacy of an inactivated feline immunodeficiency virus vaccine
*Horzinek, M.C. et al. (2005): Krankheiten der Katze
*Soulebot et al. (1981): Experimental rabies in cats: Immune response and persistance of immunity. The Cornell Veterinarian 1981, 71(1)
*O´Driscoll, C. (2005): Shock to the system
* Jakel V, Cussler K, Hanschmann KM, Truyen U, König M, Kamphuis E, Duchow K (2012): Vaccination against Feline Panleukopenia: Implication from a field study in kittens. BMC Veterinary Research 8.

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