Montag, 11. Dezember 2017
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Therapie der Schilddrüsenüberfunktion nur durch Futter?
(Das Diätfutter y/d von Hills unter die Lupe genommen)

Bislang gibt es drei mögliche Therapieformen für Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion:

1) Thyreostatika (Hormonblocker),
2) die Radio-Jod-Therapie und
3) die operative Entfernung der Schilddrüse.

In Deutschland entscheiden sich die meisten KatzenhalterInnen mit erkrankten Katzen für die erste Option: eine Behandlung der Schilddrüse mit Medikamenten. Das hat  gut nachvollziehbare Gründe:

  • Die Behandlung der Schilddrüse mit Radio-Jod gilt als belastend für die Katze,da sie dazu für einige Zeit stationär in der Klinik bleiben muss. Außerdem ist diese Behandlung sehr kostenintensiv, und nur wenige Kliniken bieten sie an.
  • Die operative Entfernung der Schilddrüse birgt Risiken und hat oftmals Neben- undNachwirkungen. Hinzu kommt, dass es nur wenige Spezialisten gibt, die diesen Eingriff durchführen.

Daher ist die medikamentöse Einstellung mit einem Hormonblocke in Europa für die meisten kätzischen Schilddrüsenpatienten die Therapie der Wahl (vgl. auch: Die Schilddrüsenüberfunktion der Katze).

Da aber einige wenige Katzen die Medikamente schlecht vertragen oder sich Probleme bei der Verabreichung ergeben, suchen manche TierhalterInnen verständlicherweise nach Alternativen und stoßen auf ein fragwürdiges Versprechen:

Seit August 2011 macht nämlich der Haustierfuttermittel-Konzern Hills Werbung für ein Diätfutter, das seinen Aussagen zufolge die kranke Schilddrüse therapieren kann.

Das Futter trägt den Namen Hills Prescription y/d und ist laut Hersteller "ein Alleinfuttermittel mit einem Geschmack, den Katzen lieben werden."

Hills behauptet hier, das Futter sei geeignet zur

* Ünterstützung einer gesunden Herzfunktion
* Verbesserung der Blasen- und Nierengesundheit
* Förderung der Gesundheit der Harnwege
* Verbesserung der Fellgesundheit

Wenn man sich die Inhaltsstoffe anschaut, sieht man schnell, dass sich im Trockenfutter von Hills y/d kaum Zutaten tierischen Ursprungs befinden (abgesehen von Trockenei, Fischöl und tierischem Fett), und im Feuchtfutter nur ein ganz geringer Anteil, angegeben mit Leber, tierischen Nebenerzeugnissen und Huhn, wie hier erkennbar ist:

Das Protein im Trockenfutter y/d, angegeben mit 36,3% in der Trockenmasse, ist rein pflanzlichen Ursprungs, gewonnen aus Mais und Reis. Aus Sicht der amerikanischen Tierärztin und Ernährungsexpertin Dr. Jean Hofve sind diese Zutaten nicht nur deswegen bedenklich, weil pflanzliche Proteine nicht auf den Speiseplan für Katzen gehören, sondern vor allen Dingen, weil in den USA 72% des Mais und 94% des Soja genmanipuliert sind (vgl. hier).

Beim Feuchtfutter wird der Proteingehalt mit 34,1% angegeben. Wie viel davon das tierische Protein (Leber, tierische Nebenerzeugnisse und Huhn) ausmacht, ist nicht angegeben; vermutlich aber auch nicht viel, da auch in diesem Futter offensichtlich ein hoher Anteil an Getreide (Mais und Reismehl) enthalten ist. Der Kohlehydrate-Anteil ist mit 31,4% angegeben.

Im übrigen bestehen sog. tierische Nebenerzeugnisse in der Regel aus für den menschlichen Verzehr ungeeigneten Schlachtabfällen und unterliegen daher dem Verdacht, nur minderwertiges Protein zu liefern (vgl. auch den Artikel von Dr. Becker zum Thema: Proteine - Fundament der Gesundheit).

Nebenbei erwähnt Dr. Hofve in ihrer Analyse von Hills y/d, dass das dort enthaltene Tierfett mit hoher Wahrscheinlichkeit Pentobarbital Natrium enthält. Das ist ein starkes Narkosemittel, welches bei der Euthanasierung von Tieren eingesetzt wird.

Ob das in Deutschland hergestellte Hills-Futter frei vom Narkosegift und frei von genmanipulierten Zutaten ist, wäre noch abzuklären.

Erwähnenswert bei der Betrachtung der Zutaten ist noch, dass Hills - um die für Katzen lebenswichtigen, im natürlichen Fleisch enthaltenen Mineralstoffe, Aminosäuren und Vitamine zuzuführen -, dem Futter Taurin, L-Carnitin, Mineralien und Vitamine künstlich zugesetzt hat. Viele dieser Inhaltsstoffe brauchen aber tierisches Protein, um besser verwertbar und bioverfügbar zu sein.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum es bedenklich sein könnte, das Hills- Futter über längere Zeit zu geben: Es enthält kaum Jod. Nun gilt ja ein Zuviel an Jod als eine der möglichen Ursachen für die Schilddrüsenüberfunktion; bewiesen ist dies allerdings nicht.

Fest steht auch, dass im industriell hergestellten Futter sehr häufig Jod in zu hohen Mengen hinzugegeben wird. Der Verdacht, dass ein Übermaß an Jod mitverantwortlich für den ungeheuren Anstieg von Schilddrüsenerkrankungen bei Katzen in den letzten Jahrzehnten sein könnte, ist bisher weder erhärtet noch widerlegt. Dennoch macht es Sinn, den Jodgehalt im Futter sowohl für gesunde als auch für schilddrüsenkranke Katzen zu kontrollieren. (Zu den in Fachkreisen diskutierten möglichen Ursachen der Hyperthyreose gibt es hier weitere Informationen.)

Jod über längere Zeit wegzulassen ist wahrscheinlich keine gute Idee; denn Jod ist wichtig für das Immunsystem. Ältere Katzen - und die schilddrüsenkranken Katzen sind in der Regel älter - brauchen ein besonders gutes Abwehrsystem.

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Jod hat eine anti-entzündliche und anti-oxidative Funktion für den Organismus. Wenn daher eine schon ältere und angeschlagenen Katze über längere Zeit ein stark jodreduziertes Futter bekommt, fehlen dem Organismus eventuell Abwehrmöglichkeiten gegen Infekte.

Ähnlich verhält es sich mit dem oben erwähnten fehlenden tierischen Eiweiß. Hochwertiges tierisches Protein in ausreichenden Mengen ist der wichtigste Baustein für die Gesundheit von Katzen. Das Verdauungssystem und der gesamte Stoffwechsel von Fleischfressern sind darauf eingestellt (vgl. auch den Beitrag über "Proteine - Fundament der Gesundheit").

Ältere Katzen benötigen in der Regel sogar mehr Protein als jüngere Katzen, um gesund zu bleiben, und hyperthyreote (schilddrüsenkranke) Katzen verbrauchen infolge des "beschleunigten" Stoffwechsels wesentlich mehr Energie als gesunde, so dass Muskelschwund aufgrund von Proteinmangel eine häufige Begleiterscheinung der Schilddrüsenüberfunktion ist. Eine Ernährung mit fast keinem tierischen Protein über längere Zeit kann daher eigentlich nur negative  Auswirkungen für den Gesamtorganismus haben.

Hills behauptet in seiner Werbung, das Futter sei "klinisch erforscht" und stelle "die Schilddrüsengesundheit innerhalb von 3 Wochen" wieder her, was für HalterInnen von Schilddrüsenkatzen fast wie ein Wunder klingt. Allerdings sei dies nur möglich, wenn es als alleiniges Futter gegeben werde!  

Was die klinische Erforschung angeht, so stellte Dr. Mark Peterson, ein führender amerikanischer Veterinär-Endokrinologe und spezialisiert auf die Überfunktion der Schilddrüse bei Katzen, in seinem Aufsatz mit dem Titel "Behandlung von Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion mit einem jodarmen Diätfutter (Hills y/d) - klappt das wirklich?" fest, dass die vorhandenen Studiendaten sich auf nur wenige Katzen beziehen, von denen die meisten aus der Katzenkolonie des "Hill's Pet Nutrition Center" stammten.

Dass die Untersuchung von Hills selbst vorgenommen wurde, kommt noch dazu. Es handelt sich demnach nicht um eine unabhängige Studie, sondern um eine hauseigene mit überwiegend hauseigenen tierischen und menschlichen TesterInnen.

Dr. Peterson weiter: Obwohl laut Hills das Futter wie ein Medikament angesehen werden könne, seien die sonst bei der Zulassung von Mediakementen üblichen Testphasen II und III zur Feststellung der Sicherheit und Wirksamkeit des Futters ausgelassen worden. Das liege schlichtweg daran, dass Haustierfuttermittel nicht - wie sonst bei Medikamentenzulassungen erforderlich - der Kontrolle durch die FDA (Food and Drug Administration) unterlägen. Was für ihn ein zusätzlicher Grund sei, Bedenken gegen das Futter zu erheben.

Aber selbst die kurzen, von Hills dokumentierten Testphasen überzeugen nicht wirklich. Dr. Peterson stellt sie in seinem Aufsatz vor (übrigens mit sehr guten Erläuterungen und grafischen Darstellungen zur Funktion der Schilddrüse - wen es interessiert).

Die Ergebnisse zeigen, dass T4, das Hormon, das zur Messung der Schilddrüsenfunktion üblich ist, bei den untersuchten Katzen tatsächlich in den ersten 4 Wochen nach Fütterung von y/d bei vielen der untersuchten Katzen sinkt, dass es aber danach in der Regel auch im oberen Referenzbereich hängen bleibt, was laut Dr. Peterson nicht wünschenswert ist. Endokrinologen sähen den Wert lieber im unteren Referenzbereich, merkt er an.

Weiterhin bemängelt Dr. Peterson, dass nur Katzen mit leicht erhöhten T4-Werten in die Untersuchung mit einbezogen worden seien, also nicht die wirklich schweren Fälle.

Aus Sicht von Dr. Peterson hätte das Futter intensiver und vor allem über längere Zeit untersucht werden müssen. Denn es gehe ja um die Langzeitwirkung eines fast protein- und jodfreien Futters, das lebenslänglich gegeben werden müsse und das in dem bislang untersuchten Stadium seiner Meinung nach noch nicht auf dem Markt hätte zugelassen werden dürfen.

Einige Fragen stellen sich hier:

* Wie beeinträchtigend ist der Umstand, dass Schilddrüsenkatzen dieses Futter lebenslänglich nehmen müssen? Denn es darf ja - laut Herstellerempfehlung nichts anderes gefüttert werden! Andererseits sollten gesunde Katzen keinesfalls dieses Futter bekommen.

* Wie lässt sich das in einem Mehrkatzen-Haushalt realisieren, wo die eine mal gerne am Näpfchen der anderen nascht?

* Kann man eine stoffwechselkranke Katze wirklich über Jahre hinweg mit einem einzigen Futter ernähren, das dazu noch protein- und jodarm ist, ohne dass sie noch kranker wird?

Diese und andere Fragen stellten eine Reihe von Fachleuten auch an Hills selbst, aber die Antworten blieben aus oder wurden nur oberflächlich und unbefriedigend beantwortet.

Auch Susan Thixton, die Gründerin des Informations-Portals "The truth about petfood" (s. auch den Bericht über die Arbeit von Thixton) stellte Hills diese und andere Fragen.

In ihrem Newsletter berichtet sie darüber und in ihrem Blog geben eine Reihe von KatzenhalterInnen ihre Erfahrungen mit dem Futter wieder. Neben einigen positiv anmutenden Berichten beschreiben andere, wie ihre Katze nach anfänglicher Verbesserung der T4-Werte bald wieder in die Überfunktion schlittert und wie sich mit der Fütterung auch Blutwerte insgesamt verschlechterten. Auch von Todesfällen wird berichtet. Einiges davon macht sehr betroffen:

Natürlich lässt sich aus diesen Beiträgen kein direkter Zusammenhang zwischen dem Futter und den Krankheits- bzw. Todesfällen herstellen, aber nachdenklich machen sie schon.

Quellen:

Die Hills-Werbung für das Diätfutter y/d trocken
Die Hills-Werbung für das Diätfutter y/d feucht
Der Artikel der Tierärztin Jean Hofve zur Schilddrüsenüberfunktion der Katze
Der Artikel des Veterinär-Endokrinologen Dr. Mark Peterson
Der Blog zum Thema Diätfutter Hills y/d von Susan Thixton

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