Montag, 11. Dezember 2017
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Gründe dafür, ein Tier* aus dem Tierschutz aufzunehmen

"Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit" (Albert Schweitzer)

Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, einem Tier ein Zuhause zu geben, dann überlegen Sie sich doch vielleicht auch einmal, ob Sie Ihr Herz nicht für ein Tierschutz-Tier erwärmen möchten.

Die Situation von Tierschutz-Tieren

Derzeit sitzen alleine in Deutschland ca. 6 Millionen Hunde in Tierheimen ein. Wie viele Millionen Katzen in einer ähnlichen Situation sind, ist schwer zu sagen. Eine Statistik, die dies darstellt, habe ich bislang nicht gefunden. Aber es müssen viel zu viele sein - im Sommer 2016 gab es z. B. wieder einmal einen Hilferuf aus NRW, dass dort die Katzenheime aus allen Nähten platzen und vielerorts Aufnahme-Stopps für Katzen ausgesprochen werden mussten.

Jeden Sommer zur Urlaubszeit werden Tausende von Hunden und Katzen ausgesetzt oder ganz einfach unbetreut zurückgelassen. Inzwischen leben in Deutschland zigtausende  von streunenden Katzen, die entweder irgendwann einmal auf die Straße gesetzt wurden oder die - wie im ländlichen Bereich oft üblich - draußen gehalten, aber oftmals weder regelmäßig gefüttert noch medizinisch versorgt werden. Diese Katzen sind in der Regel nicht kastriert und vermehren sich unkontrolliert.

Viele Hilfsprogramme zur Kastration von streunenden Katzen versuchen zwar, dieses Überhandnehmen von unkastrierten Streunerkatzen einzudämmen, aber die Aufgabe ist leider nur teilweise zu bewältigen, da solche Katzen in der Regel versteckt leben und daher kaum einzufangen sind.

Während es also bislang Tierheim-Tieren in Deutschland noch verhältnismäßig gut geht, lässt sich dies von vielen Einrichtungen in anderen europäischen Ländern kaum sagen. Dort sitzen Millionen von Tieren in Tierheimen, deren Zustände desolat bis haarsträubend grausam sind, sowohl, was die Unterbringung, als auch, was die medizinische Versorgung angeht.

In vielen Ländern sind regelmäßige Tötungen von Streuner- und Tierheim-Tieren an der Tagesordnung, und streunende Hunde und Katzen gehören in Orten, die uns als Urlaubsparadiese gelten, zum Straßenbild.

Vielleicht wird dies bald auch bei uns so sein. Noch wird in Deutschland zwar die überwiegende Zahl von streunenden bzw. ausgesetzten Hunden eingefangen und in Tierheimen untergebracht, aber möglicherweise nicht mehr lange. So warnt das europäische Netzwerk "Ärzte für Tiere" davor, dass wir auch bei uns demnächst streunende Hunde erleben werden, da die Tierheime bald nicht mehr in der Lage sind, alle Fund- und Abgabetiere aufzunehmen: http://tinyurl.com/jkblcjl
 

Überlegungen zum Erwerb eines Haustiers – Züchter oder Tierheim?

Aus Sicht eines uninformierten und unerfahrenen Tierhalters mag es zwar wünschenswert erscheinen, dass sein Haustier aus "sicheren" bzw. "bekannten" Verhältnissen, daher besser aus einer Zucht - stammen soll und somit vermeintlich günstigere Voraussetzungen mitbringt. Und es gibt auch die verbreitete Meinung, dass Zuchttiere weniger Krankheiten oder Verhaltensstörungen aufwiesen als Tiere aus dem Tierschutz. Dies ist aber genauso wenig wahr wie die Annahme, dass jedes Tierschutztier automatisch krank, verhaltensgestört und problematisch sei.

Alleine in meinem Bekanntenkreis gibt es bei Tieren aus Züchtungen viele mit schweren genetischen Erkrankungen, wie z. B. Herzprobleme, angeborene Störungen im Bewegungsapparat, z. B. schwere HD, die schon mit wenigen Monaten bei einem Golden Retriever, einem Entlebucher Sennenhund, bei zwei deutschen Schäferhunden festgestellt wurde; Trachea- und Ellbogenprobleme, die schon früh bei zwei Mini-Yorkies und einem Pincher erkannt wurden; Herzprobleme, wie sie bei mehreren Hunden aus einer Dobermann-Zucht festgestellt wurden, usw. – alles mir bekannte Tiere. Ein Zuchttier ist also nicht immer ein gesundes Tier, auch wenn sicherlich die meisten dieser Tiere es sind und die Zuchtverbände diesbezüglich ja auch ein Augenmerk auf die Zuchtvereine haben (sollten). Wirkliche Sicherheit gibt es aber trotzdem nicht.

Tierschutztiere werden in der Regel vor ihrer Abgabe auf Krankheiten untersucht und im Krankheitsfall auch behandelt, und als Halter wird man darauf vorbereitet, sollte ein Tier Erkrankungen als Folge von schlechten Haltungsbedingungen und/oder dem früheren Streunerleben mitbringen. Viele Tierfreunde entscheiden sich oft gerade deswegen für ein Tier und sind darauf vorbereitet. Es kommt allerdings leider auch vor, dass ein Tierschutztier krank ist und dies verschwiegen wird, um es schneller vermitteln zu können. Daher ist es unerlässlich, sich auch über den Ruf des jeweiligen Tierheims zu informieren. Aber genauso sollten vor Aufnahme eines Zuchttiers Informationen über den Ruf und die Bewertung des jeweiligen Zuchtbetriebs eingeholt werden.

 

Die Annahme, dass ein Zuchttier eine intakte Kinderstube gehabt haben muss und somit später weniger verhaltensauffälliger sei als ein Tierheim-Tier mit unbekannter Vergangenheit, mag in vielen Fällen gerechtfertigt sein, aber auch bei einem Zuchttier gibt es keine Garantie, dass es nicht irgendwelche Störungen mitbringt. Genausowenig sind Tierschutz-Tiere grundsätzlich verhaltensgestört.

Die allermeisten, die ich kennengelernt und auch diejenigen, die wir selbst aufgenommen haben, sind zunächst einmal unbekannte Wesen mit einem je eigenen Charakter und fast immer mit der Fähigkeit ausgestattet, sich in ein bestehendes Familiengefüge einzuleben und sich anzupassen. Natürlich gibt es auch ängstliche Tiere, denen man anmerkt, dass sie nichts Gutes erlebt haben, aber in der Regel entspannen sie sich schnell in der neuen Umgebung und fassen Vertrauen. Eine Wundertüte ist jedes neue Tier, das in einen Haushalt kommt, egal ob aus einer Zucht oder aus dem Tierschutz, aber in den meisten Fällen wächst es früher oder später in die neue Familie hinein, egal, woher es kommt.

Viele möchten ein junges Tier aufnehmen. Aber auch in Tierheimen sind Tiere jeden Alters zu finden. Viele Welpen landen dort, sogar wenn sie aus Zuchten stammen und abgegeben wurden, weil sie nicht den "Rassestandards" entsprechen, oder weil ein Züchter sie einfach nicht mehr betreuen konnte, da er selbst krank wurde oder irgendwelche Katastrophen sich ereignet haben, weswegen sein Betrieb geschlossen werden musste, usw.

Wie wir alle wissen, ist der Handel mit Welpen in europäischen Nachbarländern ein unsägliches Verbrechen. Viele Tierheim-Welpen stammen aber auch aus deutschen unseriösen sog. "Zuchten", sind oft in sehr schlimme Verhältnisse hineingeboren worden und haben traurige erste Lebenswochen durchgemacht. Das heißt aber auch, dass gerade ihnen ein liebevolles Zuhause helfen würde, traumatische Erfahrungen verblassen zu lassen. Sie aus "correctness" bzw. aus Boykott-Gründen links liegen zu lassen, unterbindet das kriminelle "Vermehren" nicht; dafür müssen die entsprechenden Gesetze und vor allem deren Umsetzung sorgen.

Auch das Argument, dass nur ein Zuchttier in Frage kommt, wenn man ein Tier einer ganz bestimmte Rasse aufnehmen möchte, spricht nicht gegen ein Tier aus dem Tierschutz. Unter den vielen Tierschutztieren findet man alle Rassen. Oft existieren spezielle Seiten im Internet mit dem Namen der jeweiligen Rasse "in Not", sowohl bei Hunden als auch bei Katzen. Ein hoher Prozentsatz von ihnen stammt übrigens ursprünglich auch aus Züchtungen. Es sind sehr häufig Tiere, die schlecht vermittelt und wieder ausgesetzt wurden, oder solche, die aus aufgelösten Zuchtbetrieben stammen. Auch wir haben mehrmals ausgesetzte Rassehunde bei uns aufgenommen

und kennen nicht wenige Hundefreunde, deren Collies, Yorkies, Shelties, Boxer, Schäferhunde, Malteser, Retriever, Dobermann aus dem Tierschutz kommen.

Warum züchtet eigentlich jemand?

Vielen Tierfreunden sträuben sich die Haare ob solcher Zustände und ob der Tatsache, dass trotz des millionenfachen Elends weiterhin unzählige Einzelpersonen und Vereine beliebig viele Hunde und Katzen züchten dürfen und auf diese Weise zu deren weiteren Vermehrung beitragen.

Auch wenn die Motive von Hunde- und Katzenzüchtern oft mit "Naturverbundenheit" und "Freude am Tier" oder "Liebe zum Tier" und "Erhaltung/Verbesserung der Rasse" begründet werden, so kann ich diesen Argumenten nichts abgewinnen. In erster Linie handelt es sich ja doch um ein Geschäftsmodell. Und das ohne links und rechts zu schauen und offenbar mit der starken Tendenz, Tierschutztiere als weniger wertvoll anzusehen als die selbst gezüchteten.

Die meisten Züchter interessiert es nicht, dass Millionen von Tieren -  auch Mitglieder der von ihnen gezüchteten Rasse - in Tierheimen sitzen. Es interessiert sie nicht, dass sie mit ihrem Züchtungs-Tun verhindern, dass jemand ein Tierschutztier aufnehmen könnte, so dass diese Zahlen sich verringern.

Und nicht nur das: Nicht alle Züchter kaufen ihre Tiere zurück, wenn eine Vermittlung scheitert. So gibt es – wie beschrieben - einen hohen Prozentsatz von Tieren, die zum Wanderpokal und/oder ausgesetzt werden und im Tierheim landen. So tragen gerade auch Züchter zur Erhöhung der Tierheimtierquote und somit zur Ausweitung des Tierelends bei.

Zum Schluss noch etwas Verstörendes: Auf die Frage an den einen oder anderen sog. "Hobbyzüchter", warum er Hunde oder Katzen züchtet, bekam ich solche Antworten wie: "Ich kann mich dabei selbst verwirklichen" oder "Es ist doch schön, etwas Eigenes zu erschaffen"! Ich hoffe wirklich sehr, dass dies kein verbreitetes bewusstes oder unbewusstes Motiv für das Züchten von Hunden und Katzen ist. Jeden, der dieses so oder so ähnlich empfindet, bitte ich zu bedenken, dass es sicherlich eine Reihe von besseren kreativen und sinnvollen Möglichkeiten gibt, etwas zu erschaffen und /oder sich selbst zu verwirklichen, als es auf Kosten von anderen Lebewesen zu tun. Daher unterstütze ich den Aufruf:

Don´t breed or buy while shelter animals die!

* Es ist in diesem Beitrag von Hunden und Katzen die Rede, weil sie zu den häufigsten Tierheim-Insassen gehören, aber es sind natürlich auch andere Tierarten mitgedacht.

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