Montag, 23. Oktober 2017
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Bianca - oder wie wir zu den weißen Hunden kamen

(Geschichte erzählt von Klaus Schampaul 2011)

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, ob die Idee mit dem Hund aus dem Bauch oder aus den vielen Gesprächen mit meine lieben Frau entstanden ist. Auf jeden Fall haben wir mal dafür und dann wieder dagegen entschieden, einen Hund ins Haus zu holen, so dass darüber bestimmt ein Jahr vergangen ist.

Vor den Olympischen Spielen im August 2004 wurden Griechenlands Städte von streunender Hunden "gesäubert". Die Hunde, die keine Paten fanden, landeten kurzerhand in den Tötungsstationen. Wie sich das mit dem olympische Geist vereinbaren lässt, ist mir bis heute noch nicht klar geworden. Diese scheußliche Praxis wurde 2008 in Peking wiederholt. Zu hoffen bleibt, dass sich das 2012 in London nicht noch einmal wiederholen wird.

Als wir Anfang 2004 davon erfuhren, was in Griechenland mit den Streunern passierte, reifte unser Entschluss, solch einen Hund bei uns aufzunehmen. Klar gab es Mahner, die sagten: „Es gibt doch genug Hunde in Deutschland, warum denn Hunde aus Griechenland importieren“!  „Und außerdem könnt Ihr auch nicht sicher sein, dass das Tier gesund ist und sich nicht eines Tages auf euch oder stürzt und zum Beißer wird“!

All den Mahnungen zum Trotz gingen wir als Katzenfreunde auf Hundesuche. Das Internet entpuppe sich bei unseren Recherchen als wahren Fundgrube. Als es dann darum ging, was es denn für ein Hund sein sollte, waren wir uns sehr schnell einig, denn es sollte kein allzu kleiner Hund sein, sondern etwas größer.

Der Frühling 2004 war noch nicht so richtig in Gang gekommen, so dass die Besuche in den verschiedenen Tierheimen oft im Regen stattfanden. Für uns gab es dann plötzlich Neuland zu entdecken: Auf einmal mussten wir Hundehaufen entsorgen, oder nasse Hunde mussten trocken gerubbelt werden. All das kannten wir von unsern Katzen nicht; denn die sind in diesen Beziehungen ja autonom.

Dann war da plötzlich und unerwartet ein Foto von einer zierlichen nicht all zu großen Hündin aus Griechenland im Internet zu sehen.

Ich war sofort hin und weg und konnte auch meine liebe Frau für diese Hündin begeistern. Wir fuhren dann zum Tierheim und trafen dort auf sehr freundliche Leute, mit denen wir unser Anliegen besprechen konnten.

Als Hundeanfänger will man alles wissen, um dann möglichst Vieles richtig machen. Bianca stammte aus Griechenland hatte frische Impfpapiere, doch ansonsten war von ihrer Geschichte nichts bekannt. So wie uns gesagt wurde, sei sie mit andern Hunde sehr verträglich und hätte auch mit Katzen keine Probleme. Gut für uns; denn die Katzenhürde musste unbedingt überwunden werden.

Ein junges Paar interessierte sich zur gleiche Zeit wie wir für Bianca. Ich bin dann zwei, drei mal die Woche einige Wochen lang mit Bianca an eine Flitschleine vom Tierheim aus spazieren gegangen. Als wir uns für Bianca entschieden hatten, konnte ich sie einmal mit nach Haus mitnehmen, um zu schauen, was unser Katzen sagen würden. Dieser Test lief sehr einfach und völlig entspannt über die Bühne, so dass klar entschieden wurde, Bianca bleibt bei uns und zog am 29 April 2004 bei uns ein.



Bianca war zu allen freundlich, nur leider nicht zu mir. Dass Bianca keine Männer mochte, hatte sie uns vorher nicht gezeigt, noch hatte uns das Tierheim darauf aufmerksam gemacht. Immer, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, wurde ich von Bianca die sich prächtig mit Victoria verstand, angeknurrt. Der Gedanke kam uns sehr schnell, dass dies zarte Hündin möglicherweise schlimme Erfahrungen mit Männern gemacht haben musste.

Wir waren Anfänger und haben uns auf die Suche nach Hilfe begeben. Eine Dame kam dann auf Einladung vorbei, die davon überzeugt war, mit der Methode Tellington Touch Bianc zu beruhigen und davon zu überzeugen, dass ich kein böser Mann sei. Das Experiment hatte leider keinen Erfolg, so dass wir weiter suchten und eine sogenannte Hunde-Psychologin fanden, die dann auch mit einer Hundetrainerin zu uns kam.

Nach dem wir uns über Bianca unterhalten hatten, kam die Idee auf, vertauensbildende Massnahmen zu ergreifen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sich Vicoria zurückhalten sollte.

Ich habe dann sofort angefangen, Bianca aus der Hand zu füttern. Am ersten Tag hat sie sich verweigert, doch schon am zweiten Tag frass sie mir aus der Hand.

Victoria hielt sich zurück und so ging hauptsächlich ich mit Bianca spazieren. Unser Verhältnis verbesserte sich von Tag zu Tag. Bianca ging dann immer öfter mit in mein Büro nach Köln-Rodenkrirchen. Von dort aus gingen wir mittags in den Friedenspark.

Zeit verging, und es schien, dass alles immer besser mit Bianca gehen würde. Victoria ging dann wieder öfters mit Bianca auf die Hundefreilaufwiese und lies sie dort nach einer Weile auch frei laufen. Bianca vertrug sich mit allen anderen Hunden und machte auf den Spaziergängen einen ausgeglichenen Eindruck auf mich.

 

 

 

Neidisch, wie ich nun mal wurde, habe ich Bianca dann eines Tages auf der Hundefreilaufwiese abgeleint, mit dem Resultat, dass sie wie der Blitz abhaute und ich hinterher rannte, ohne Chance, sie einzuholen. Panik kam in mir auf, denn wer die Frankfurter Straße in Köln Urbach - Eil kennt, weiss, wieviel Verkehr dort am Abend ist.

Überall habe ich gesucht auf den Wegen, die ich in der Umgebung mit Bianca gegangen war, doch Bianca war nicht zu finden. Dann nach Hause, und wer steht vor der Haustüre - Bianca. Ich war überglücklich, dass nichts Schlimmes passiert war.



Die Zeit verging wie immer im Flug, und ich hatte den Eindruck, dass sich Bianca damit abfand, dass ich auch zur Familie gehörte.Ich verabredet mich dann eines Tages mit der sogenannten Hunde-Psychologin und schilderte ihr meine Erfahrungen, die ich mit Bianca gemacht hatte. Wir gingen durch den Grüngürtel, und dort ging Bianca ohne Leine an meiner Seite mit uns spazieren. Ich wollte dann wissen, wann es soweit sei, dass eine Bindung da sei und ich Bianca ohne Leine laufen lassen könnte. Sie meinte, ich solle noch eine Monat warten und dann langsam damit anfangen, Bianca immer mal wieder frei laufen zu lassen.

So kam es dann, dass wir eine schönen Tages in den Friedenspark gingen und Bianca an meiner Seite frei lief und sich ganz normal verhielt.


Ein Mann kan aufgeregt und verzweifeld rufend auf uns zu: "Haben Sie meine beiden Hunde gesehen, die sind mir gerade weggelaufen"? Ich verneinte und fragte nach, wie denn die Hunde aussehen. Dunkelbraune Labis erst ein Jahr alt, gab der Mann mir zurück.

Ich bot ihm an, mitzusuchen, und wir gingen über eine der großen Wiesen. Plötzlich fing der Mann an, wild mit seinen Armen in der Luft zu rudern und dabei seine Hunde zu rufen. Was dann mit Bianca geschah, kann ich nur erraten, man nennt es wohl eine Überspunghandlung, die sich dann möglicherweise vollzog.

Bianca vergrößerte den Abstand zu uns. Ich rief sie, "Bianca komm her", "Hiiier"! Sie schaute mich ein letzes Mal an und setzte sich dann weg von uns in Bewegung, immer schneller werdend.

Der fremde Mann lief hinter ihr her und ich rief "Bitte, bleiben Sie stehen. Sie verscheuchen meine Hündin". Er hörte nicht auf mich und lief immer weiter und ich hinterher.

Durch den Wald rennend, verlor ich beide bald aus den Augen, und meine Verzweiflung wuchs in mir. Dann traf ich auf den fremden Mann, der völlig atemlos dastand und mich um Verzeihung bat, weil er meine Hündin verjagt hatte.

Der Arme, der gerade seine beiden Hunde suchte, war in einen noch größeren Schlamassel geraten. Ich rannte weiter, immer weiter, dann zurück ins Büro, weil ich hoffte, dass Bianca den Weg, den sie so oft gegangen war, zurückgefunden hätte.

Leider war sie nicht da, und ich rannte zurück in den Friedenspark und telefonierte zwichendurch immer wieder mit Victoria, die völlig hilflos zuhause saß und nichts tun konnte.

Als dann Tasso anrief und mir mitteilte, dass auf der Autobahn-Polizeiwache Frechen das Halsband mit Tassomarke von Bianca abgegeben wurde, hatte ich das Gefühl, dass das alles nich wahr sei. Ich fuhr nach Frechen, und das Halsband war von Bianca, und es sah serh ramponiert aus. Ein Polizist berichtete mir sehr sachlich, dass die Autobahnmeisterei Bianca tot an der Autobahn Köln-Bonn gefunden und das Halsband vorbei gebracht hätte.

Der Polizist gab mir dann eine Telefonnummer der Autobahnmeisterei in Bocklemünd. Dort hieß es, wir können Ihren Hund entsorgen, oder Sie holen ihn ab bis um 15 Uhr. Es war 14:30 Uhr und ich raste nach Bocklemünd in der Hoffnung, dass der Hund, den man mir zeigen würde, nicht Bianca sei.

Der letzte wolle gerade gehen, als ich in den Hof fuhr und er mir widerwillig, weil er schon seit fünf Minuten Feierabend hatte, einen duchsichtigen, sehr stabilen Plasticksack mit Bianca darin in die Hand drückte und sich dann in sein Wochendende verabschiedete.

Ich weinte, und jetzt, als ich das schreibe, werden meine Augen wieder feucht. Die ganze Fahrt bis nach Haus weinte ich und schrie und fluchte: warum warum warum?

Zu Hause angekommen - völlig verheult - traf ich auf Victoria, die ich kaum beruhigen konnte in ihrer Trauer und in ihrem Schmerz. Es war für mich klar, dass ich Bianca in unserem Garten begraben würde, und ich bat Victora, sie nicht in diesem Zustand noch einmal anzuschauen. Sie brachte mir dann ein weißes Bettlaken, in das ich Bianka einwickelte.

Es regnete, während ich mit einer Spitzhacke ein Loch in der Tiefe von ca. 1,5 Metern buddelte, nichts half meine Tränen versiegen zu lassen, und so heulte ich immer weiter und weiter. Es dauerte sehr lange, bis ich mich beruhigt hatte, und dann kam Laika, der weiße Schatten zu  uns, aber das ist eine ander Geschichte.

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